Zeitzeugengespräch mit Lucy Waldstein: Flucht aus Wien, Exil und Neubeginn – ein lebendiges Zeichen gegen das Vergessen

MKÖ-Pressemeldung vom 30.4.2026:

Unter dem Leitthema „Erinnern, Mahnen, Handeln – Gemeinsam für eine starke Demokratie“ laden das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), GEDENKDIENST und die Jüdischen österreichischen Hochschüler:innen (JöH) zu einem besonderen Zeitzeugengespräch mit Lucy Waldstein ein. Die in Wien geborene Zeitzeugin berichtet über ihre Kindheit im 9. Bezirk, die Flucht der Familie 1938, Trennung und Exil, Internierung auf Trinidad sowie den späteren Neubeginn in den USA.

Mehr als acht Jahrzehnte nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Terror erinnert Lucy Waldsteins Lebensgeschichte eindringlich daran, wie rasch Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung Alltag werden können – und wie wichtig es ist, Demokratie und Menschenrechte aktiv zu schützen.

Von Wien ins Exil: Eine Familiengeschichte im Schatten des Nationalsozialismus

Lucy Waldstein wurde im Dezember 1930 in Wien geboren und wuchs gemeinsam mit ihrer Schwester Inge in einem behüteten Umfeld auf. Die Familie – Mutter Liesl Neubauer Fischer, engagiert in der jüdischen Kultusgemeinde, und Vater Ernst Otto Fischer, Journalist und Chefredakteur – lebte im Alsergrund.

Nach dem „Anschluss“ 1938 änderte sich alles. Im Juli 1938 floh die Familie über Nacht aus Österreich, nachdem sie rechtzeitig vor einer drohenden Verhaftung des Vaters gewarnt worden war. Über ein „Kapitalistenvisum“ gelang die Ausreise nach England – jedoch ohne Arbeitserlaubnis. Lucy und Inge kamen zunächst in ein Internat nach Folkestone (Kent), während die Eltern nach Trinidad gingen, einem der wenigen Orte, die damals Flüchtlinge des Nationalsozialismus aufnahmen.

Die Familie wurde getrennt – erst voneinander, dann sogar die Schwestern voneinander –, bevor Lucy und Inge schließlich alleine per Schiff nach Trinidad nachreisten. Dort wurden sie als „feindliche Ausländer“ gemeinsam mit anderen Familien 15 Monate interniert. Trotz aller Brüche versuchten die Eltern, den Lebensunterhalt zu sichern und den Weg in die USA zu finden. 1944 starb Lucys Vater infolge von Komplikationen nach einer Routineoperation. 1945 gelang Lucy, ihrer Schwester und der Mutter schließlich die Auswanderung in die Vereinigten Staaten.

„Diese Stimme ist unersetzlich“ – drei Organisationen, ein gemeinsames Anliegen

Die Veranstalter:innen betonen die besondere Bedeutung solcher Begegnungen – gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus, Rassismus und demokratiefeindliche Tendenzen wieder zunehmen.

Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ: „Zeitzeug:innen wie Lucy Waldstein machen Geschichte greifbar – nicht als abstrakte Vergangenheit, sondern als Auftrag für die Gegenwart. Wer ihre Erzählung hört, versteht, warum Gedenken und demokratische Haltung zusammengehören. Es geht um Verantwortung – heute.“

Adrian Erhart, Obmann GEDENKDIENST: „GEDENKDIENST steht für Erinnerungsarbeit, die hinschaut und handelt. Lucys Geschichte zeigt, wie schnell Menschen zu Verfolgten gemacht werden – und wie wichtig es ist, Ausgrenzung und Hass früh und entschieden entgegenzutreten. Zuhören ist der erste Schritt, Verantwortung der nächste.“

Lia Guttmann, Co-Präsidentin JöH: „Als nachfolgende Generation tragen wir die Verantwortung, die Geschichten weiterzugeben und die Erinnerung lebendig zu halten. Umso mehr müssen wir den letzten Zeitzeuginnen Gehör schenken.“

Einladung an die Öffentlichkeit

Das Zeitzeugengespräch richtet sich an Schüler:innen, Studierende, Medienvertreter:innen und die interessierte Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt steht das persönliche Gespräch, die Möglichkeit zu Fragen sowie die gemeinsame Reflexion darüber, was es heißt, demokratische Werte zu verteidigen – im Alltag, in Institutionen und in der Gesellschaft.

Ergänzend dazu findet von 5. bis 8. Mai am Heldenplatz erneut die Zeitzeug:innen-Ausstellung statt, bei der Überlebende des Nationalsozialismus mit Bild und Stimme präsent sind. Die Ausstellung macht Erinnerung im öffentlichen Raum sichtbar und schlägt bewusst eine Brücke zwischen individueller Fluchtgeschichte und gesellschaftlicher Verantwortung heute.

Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ)
Mauthausen Komitee Österreich
Willi Mernyi, Vorsitzender
Tel.: 0664 1036465
Web: http://www.mkoe.at/ 

TERMINAVISO

Zeitzeugengespräch mit Lucy Waldstein

Im Rahmen der gemeinsamen Erinnerungsarbeit laden MKÖ, GEDENKDIENST und die JöH zu einem Zeitzeugengespräch mit Lucy Waldstein ein. Die in Wien geborene Zeitzeugin erzählt von der Flucht 1938, der Trennung von ihrer Familie, der Internierung auf Trinidad und dem Neubeginn in den USA – und setzt damit ein starkes Zeichen gegen das Vergessen.

Datum: 6. Mai 2026
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Ort: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Anmeldung/Akkreditierung: info@mkoe.at

Hintergrundbild