Mauthausen Komitee: Bischof Aichern bleibt ein Leuchtturm des Erinnerns

MKÖ-Vorsitzender Mernyi zum Tod des Mitbegründers des Mauthausen Komitees: "Aichern sah mit großer Klarheit, wie wichtig das Gedenken an die NS-Opfer im Blick auf gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen ist."

Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) trauert um Bischof Maximilian Aichern. „Mit Bischof Maximilian ist eine der zentralen Gründerpersönlichkeiten des MKÖ von uns gegangen. Das Gedenken an die Opfer des NS-Terrorregimes und der Einsatz für ein ‚Niemals wieder!‘ waren Bischof Aichern ein äußerst wichtiges Anliegen, und er hat die Arbeit des MKÖ bis zuletzt aus ganzem Herzen mitgetragen, u.a. als Mitglied des GründerInnen-Beirates. Sein Tod schmerzt und ist menschlich und gesellschaftspolitisch ein großer Verlust. Wir werden seiner stets in großer Dankbarkeit gedenken“, erklärte MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi.

Maximilian Aichern, 1932 in Wien geboren, erlebte als Kind die Erniedrigung und Verfolgung der jüdischen Mitbürger. Wie er selbst immer wieder sagte, hat ihn diese Erfahrung geprägt und veranlasst, sich gegen das Vergessen der Schicksale der NS-Opfer zu stellen, gegen das Verdrängen und Verharmlosen der Gräuel. 1954 trat Aichern in das steirische Benediktinerstift St. Lambrecht ein. Dieses Stift war 1939 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und als KZ-Außenlager benutzt worden; 1946 ging es an den Orden zurück. 1981 wurde er Bischof von Linz, und da das ehemalige KZ Mauthausen im Linzer Diözesangebiet liegt, förderte er von Anfang die Gedenkinitiativen, die es damals gab, sowie damit verbunden den Einsatz gerade der Jugend gegen Antisemitismus und für Menschenrechte und Demokratie.

Er suchte dabei die Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Kräften, was schließlich zur Gründung des MKÖ 1997 führte – getragen bis heute durch die katholische Kirche, den Österreichischen Gewerkschaftsbund und die Israelitische Kultusgemeinde.

„Bischof Maximilian war ein Mensch, der keine Berührungsängste kannte und offen auf jede und jeden zuging. Er hatte die besondere Gabe, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Weltanschauung zusammenzuführen für ein gemeinsames Anliegen. Seine positive und motivierende Art ist auch dem MKÖ immer wieder zugutegekommen“, würdigte MKÖ-Vorsitzender Mernyi.

„Gleichzeitig hat er stets mit großer Klarheit gesehen, wie wichtig das Gedenken im Blick auf gegenwärtige und zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen ist. Bei der Befreiungsfeier in Mauthausen 2009 sagte Bischof Maximilian: ‚Wir haben eine gemeinsame Aufgabe, besonders der Jugend gegenüber: an einem Geist zu arbeiten, der Unmenschlichkeiten unmöglich macht, wie Diktatur, Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Sprache, Nationalität, Religion und Weltanschauung, ihrer ethnischen Herkunft. Die Einsicht in die Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit muss uns dazu bringen, in der Gegenwart wachsam zu sein, Sensibilität zu entwickeln, für Bildung und Information zu sorgen und Zivilcourage zu zeigen.‘ Diese seine vor 25 Jahren gesprochenen Worte haben leider nichts Aktualität verloren, im Gegenteil“, unterstrich Mernyi.

Innerkirchlich hat Bischof Aichern Versäumnisse seiner Kirche während des Nationalsozialismus offen benannt, ebenso den christlichen Antijudaismus als eine Quelle des Antisemitismus. Ihm war es aber ebenso ein Anliegen, die Erinnerung an jene Persönlichkeiten zu fördern, die sich aus religiösen Motiven dem NS-Regime widersetzt haben, allen voran Franz Jägerstätter, der den Wehrdienst in der Hitler-Armee ablehnte und dafür hingerichtet wurde, und den oberösterreichischen Pfarrer Johann Gruber, der von den Nazis im Lager Gusen ermordet wurde. Für den französischen Arbeiter Marcel Callo, der sich in der christlichen Arbeiterjugend engagierte, von den Nazis verschleppt als Zwangsarbeiter schließlich in Mauthausen landete und dort im März 1945 ums Leben kam, trieb Aichern den Seligsprechungsprozess voran, der 1987 abgeschlossen wurde.

MKÖ Gründung 1997 - Foto Mannsberger
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