Andrew Sternberg: "Ich will der Welt von meinen Erfahrungen berichten. Ich möchte ein Botschafter sein."

"Wenn ich nach Melk komme, sehe ich in der Stadt zwei Seiten: die Schönheit und den Tod.“

Andrew Sternberg wurde am 27. März 1928 in dem kleinen ungarischen Dorf Pötréte geboren. Seine Familie – die einzige jüdische im Ort – besaß dort ein kleines Nahrungsmittelgeschäft, Andrew war das einzige Kind.

Die gesamte Familie wurde Ende April 1944 in das KZ Auschwitz deportiert, Sternberg selbst berichtet, am 2. Mai 1944 an der Rampe in Auschwitz angekommen zu sein. Mit viel Glück überlebte Andrew Sternberg Auschwitz und wurde noch im Mai 1944 zur KZ-Zwangsarbeit nach Mauthausen weitertransportiert, wo er jedoch nur rund eine Woche blieb. Am 2. Juni 1944 erreichte Sternberg mit einem Transport von 463 weitere als "ungarische Juden" kategorisierten Männern das KZ-Außenlager Melk. Als "Hilfsarbeiter" wurde er neun Monate lang als Zwangsarbeiter in der Stollenanlage in Roggendorf eingesetzt. Mit rund 7.000 KZ-Häftlingen erfolgte schließlich im April 1945 die Evakuierung des Außenlagers Melk und Sternberg kam nach Ebensee, wo er schließlich am 6. Mai 1945 von US-amerikanische Soldaten befreit wurde. Später kehrte Andrew Sternberg nach Ungarn zurück, emigrierte jedoch in die USA, wo er sich ein neues Leben aufbaute.

Erst im Jahr 1972 kehrte Andrew Sternberg zum ersten Mal nach Melk zurück und kommt seither nahezu jedes Jahr hierher, um an der Gedenkfeier teilzunehmen. Über seinen ersten Besuch im Jahr 1972 berichtete er später: "Ich bin zum Bahnhof gegangen, wo die Rampe war, über die wir in die Züge zu den Stollen gebracht wurden. Die erste Bitte an meine Frau war, dass ich von dieser auf die andere Seite der Gleise gehen möchte. 'Was suchst du?', fragte sie. Ich sagte: 'Ich war nie auf der anderen Seite, als ich ein Häftling war.' Und ich wollte wissen, wie lange es dauert, um auf die andere Seite zu kommen. Weniger als eine Minute! Ich sagte zu meiner Frau: 'Es ist unglaublich – man ist weniger als eine Minute davon entfernt, ein freier Mensch zu sein.'"

Andrew Sternberg lebt heute in Cleveland, Ohio, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Sofern es seine Gesundheit zulässt, wird er auch im Jahr 2020 zum 75. Jubiläum seiner Befreiung aus dem KZ-System wieder nach Melk zurückkehren, um am 11. Mai an der Gedenkfeier teilzunehmen. Seinen Antrieb, jedes Jahr erneut nach Melk zurückzukehren erklärt Sternberg so: "Melk ist mein Friedhof".

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