Die Geschichte der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

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Vorbemerkungen

Die KZ-Gedenkstätte besteht heute aus vier Bereichen, die sich in mannigfaltiger Weise überschneiden und durchdringen.

  • Die von den Sowjets 1947 an Österreich übergebenen Objekte und Liegenschaften des ehemaligen KZ-Mauthausen (KLM).
  • Die seit 1948 errichteten Denkmäler (einschließlich Gedenksteine und -tafeln).
  • Die nach 1956 eingerichteten Opferfriedhöfe.
  • Das 2003 eingeweihte Besucherzentrum außerhalb des ehemaligen Schutzhaftlagers.

Unmittelbare Nachkriegszeit

Den größten Verlust erlitt der Komplex Mauthausen-Gusen durch die US-Truppen, die, um der Ausbreitung von Seuchen entgegen zu wirken, Kranken- und Zeltlager des KLM sowie das Lager Gusen II unmittelbar nach deren Räumung nieder brannten.

Somit begann die Verminderung des Bestandes an Anlagen und Einrichtungen des Lagerkomplexes KLM bereits in den Tagen der Befreiung, eine Entwicklung, die sich in der Zeit nach der Zonenregelung beschleunigt fortsetzen sollte.

Vorerst nutzten die Sowjets als nunmehrige Besatzungsmacht die ehemaligen KZ einschließlich der SS-Wohnsiedlungen in Mauthausen und St. Georgen bis zum Frühjahr 1946 für die Unterbringung von Truppen. Anfang Juni 1946 räumten die Sowjets Lager und Wohnsiedlungen und beauftragten die Gemeinden, deren Bewachung zu übernehmen.

Erste Konzepte für eine KZ-Gedenkstätte

Ende Mai 1946 brachte der oberösterreichische KZ-Verband bei Landeshauptmann Heinrich Gleißner einen Antrag ein, Lager und Todesstiege unter Denkmalschutz zu stellen und auf dem Gelände des ehemaligen KZ den Grundstein für ein Denkmal zu errichten – zu diesem Zeitpunkt noch ohne Erfolg.

Der Ministerrat beschloss am 18. März 1947, die Bundesregierung werde an das sowjetische Besatzungselement mit dem Ersuchen herantreten, das Gelände des früheren KLM an Österreich zu übergeben für die Errichtung einer KZ-Gedenkstätte zu Ehren der im Kampf gegen den Nationalsozialismus gefallenen Opfer.

Übergabe an die Republik

Am 20. Juni 1947 übergab der Hochkommissar der UdSSR in Österreich, Generaloberst Kurassow, Bundeskanzler Leopold Figl das ehemalige Stammlager KLM einschließlich der früheren SS-Wohnsiedlung. Häftlingsverbände begannen gemeinsam mit Vertretern von verschiedenen Ministerien die KZ-Gedenkstätte zu konzipieren.

Die Entstehung der KZ-Gedenkstätte

Anlässlich der Befreiungsfeiern Anfang Mai 1948 wurde der Grundstein eines Denkmals in Form eines Sarkophags auf dem Appellplatz des früheren KLM gelegt.

Im Herbst 1948 legte das Bundesdenkmalamt (BDA) sein Gutachten zur Ausgestaltung der Gedenkstätte vor, das zwar grundsätzlich den Vorschlägen des Mauthausen-Komitees folgte, in einigen Punkten aber deutlich über diese hinaus ging. So forderten die Denkmalschützer namentlich die Einbeziehung der Todesstiege.
Jetzt, da die Ausgestaltung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen praktisch abgeschlossen war, brachte Innenminister Helmer im Ministerrat den Antrag ein, die Anlage zum Öffentlichen Denkmal zu Ehren der im Kampfe um die Wiedererrichtung des freien, unabhängigen und demokratischen Österreich gefallenen Opfer des Nationalsozialismus im Sinne des Bundesgesetzes vom 7. Juli 1948 zu erklären. Der Ministerrat erhob diesen Antrag am 15. März 1949 zum Beschluss. Damit war das Öffentliche Denkmal Mauthausen (ÖDM) offiziell errichtet, es wurde in der Folge dem Landeshauptmann von Oberösterreich in mittelbarer Bundesverwaltung übertragen, verantwortlich für die Einrichtung blieb das BMI.

In den späten 1950er-Jahren verhandelte das BMI mit der Gemeinde Langenstein wegen einer Übernahme des Krematoriums Gusen durch den Bund. Als sich aber im Jahre 1961 über italienische Anregung ein Verband zur Errichtung eines Denkmals Gusen gründete, stellten die österreichischen Behörden ihre Vorarbeiten ein. Dieser Verband brachte die Baukosten des Denkmals Gusen in Höhe von etwa öS 780.000 durch Sammlungen in Italien, Frankreich, Belgien und anderen auf, eingeweiht wurde das Mahnmal im Jahre 1965. Die von den internationalen Verbänden sodann angestrebte Übernahme durch die Republik Österreich kam allerdings erst 1995 zustande. Das Krematorium Melk wurde hingegen bereits im Jahre 1962 aufgrund eines Ministerratsbeschlusses vom 23. Jänner 1962 durch das BMI übernommen.

Sanierung und Abriss von Baracken

Seit 1949 bestanden im ÖDM noch fünf ehemalige Häftlingsbaracken, neben den Blöcken 1/6/11 die Baracken 5 und 20. Die Blöcke 1/6/11 blieben bei der Gestaltung des Denkmals bestehen, um das Ensemble des früheren Appellplatzes zu erhalten, die beiden anderen Baracken waren wegen der seinerzeit dort untergebrachten Häftlingsgruppen (Juden bzw. so genannte K-Häftlinge) belassen worden. Zu Beginn des Jahres 1962 hatte sich der Zustand aller fünf Baracken soweit verschlechtert, dass in jedem Fall Einsturzgefahr bestand. Noch im Jahre 1962 begann man mit den Instandsetzungsarbeiten, die auf mehrere Jahre projektiert wurden. Dennoch kam man nicht im notwendigen Tempo voran, sodass die Blöcke 5 und 20 letztlich nicht mehr zu retten waren.

Errichtung der Denkmäler

Bereits zu Jahresbeginn 1948 setzte eine Entwicklung ein, die für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen von großer Bedeutung werden sollte, wenngleich dies vorerst so nicht vorher zu sehen war: Seit 1948 werden in der Gedenkstätte Denkmäler, Gedenktafeln, Totenparten sowie verschiedenste Objekte von Staaten, nationalen oder anderen Gruppen, aber auch Einzelpersonen (etwa Hinterbliebenen) angebracht, was das heutige Erscheinungsbild der Gedenkstätte entscheidend prägt.

Am Anfang stand ein von den Sowjets 1948 zu Ehren des im Februar 1945 im KLM ermordeten Generals der Sowjetarmee Karbyschew.

Im Februar 1949 trat der Verband der französischen Opfer über den Hochkommissar an Bundesminister Helmer mit dem Antrag heran, der (von den Franzosen schon beschlossenen) Errichtung eines solches Denkmal an der Stelle des früheren SS-Kasinos zuzustimmen. Sowohl dem Minister, den Beamten seines Ministeriums, als auch LH Gleißner war dabei völlig klar, dass der französische Antrag von weittragender Bedeutung war, man war sich dessen bewusst, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen wurde, der schon bald Nachahmung finden würde.

In der Tat war durch diese beiden Denkmale die weitere Entwicklung vorgezeichnet: Seit den frühen 1950er-Jahren wurden nicht weniger als 20 nationale Denkmäler auf dem Gelände des früheren SS-Lagers errichtet. Jüngstes Beispiel ist das erst im Mai 1998 übergebene Denkmal zu Ehren der in den KZ aus rassischen Motiven ermordeten Roma und Sinti, das 2001 errichtete Denkmal für die ukrainischen Opfer oder das im selben Jahr errichtete Denkmal für die Kinder und Jugendlichen im KZ-Mauthausen.

Heute besteht in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ein Denkmalbezirk, der in seiner Art in Europa einzigartig ist.

Die ganz überwiegende Mehrzahl der heute in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen bestehenden Denkmäler, Großplastiken und Gedenktafeln haben rein profanen Charakter, jeder religiöse Impetus ist ihnen fremd. Stücke mit ausdrücklich religiösen Inhalt befinden sich lediglich im Bereich der früheren Wäschereibaracke, die 1948/49 in eine Kapelle umgebaut wurde.

Friedhöfe in der KZ-Gedenkstätte

Es wurde bereits darauf verwiesen, dass der heutige Charakter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen in hohem Maße von den dortigen Opferfriedhöfen mit zusammen mehr als 14.000 beerdigten Opfern bestimmt wird. Diese Friedhöfe waren nicht Teile der im Jahre 1949 übergebenen Gedenkstätte, seinerzeit bestand nur ein, von den US-Truppen unmittelbar nach der Befreiung auf dem Gelände des früheren SS-Sport- und -Exerzierplatzes angelegter Friedhof mit rund 2600 beigesetzten Opfern. Die Masse der anderen, heute in der Gedenkstätte zur letzten Ruhe gebetteten Opfer lagen zwar in der nächsten Umgebung des früheren KLM, aber außerhalb der heutigen Gedenkstätte. In zahlreichen Exhumierungs- und Umbettungsaktionen wurden viele dieser KZ-Opfer entweder in ihre Heimatländer rückgeführt oder in der KZ-Gedenkstätte erneut beerdigt.

Das Museum und die Ausstellungen in der KZ-Gedenkstätte

In den Anfangsjahren wurde die gesamte KZ-Gedenkstätte vor allem im Hinblick auf die Überlebenden und deren Totengedenken konzipiert.

Seit den früher 60er Jahren traten jedoch die Überlebendenverbände regelmäßig an die Republik heran und regten die Errichtung eines Museums zur Aufklärung der österreichischen Jugend an.

Der ehemalige Lagerschreiber II und nunmehrige Polizeibeamte Hans Maršálek begann schon unmittelbar nach der Befreiung mit der Dokumentation und Sammlung von Archivalien. Archivreisen in ganz Europa und hervorragende persönliche Kontakte zu Überlebendenverbänden brachten innerhalb weniger Jahre eine erstaunliche Materialfülle mit sich, die den Grundstock des heutigen Museums bildete.

Am 3. Mai 1970 wurde das neue Museum im umgebauten ehemaligen Neuen Revier durch Bundeskanzler Bruno Kreisky seiner Bestimmung übergeben – ein Aufklärungs- und Lernort für die österreichische Jugend.
Mitte der 80er Jahre wurden die Ausstellung und das Museum vor allem in gestalterischen Belangen überarbeitet, die Inhalte blieben großteils unangetastet. Gleichzeitig wurde im vorderen Teil des ehemaligen Reviergebäudes eine zweite ständige Ausstellung eröffnet, die sich mit dem Schicksal österreichischer KZ-Häftlinge in anderen Konzentrationslagern beschäftigt und somit auch einen Überblick über das gesamte KZ-System bietet.

1998, anlässlich der 60. Wiederkehr des Anschlusses, wurde eine weitere Ausstellung, die sich mit eben dieser Themenstellung beschäftigt, in der ehemaligen Küchenbaracke gestaltet.

Im Mai 2003 erfolgte die vorläufig letzte Gestaltung einer Ausstellung im neuen Besucherzentrum an der Außenmauer der KZ-Gedenkstätte: Es werden dort vor allem Artefakte aus dem ehemaligen KZ-Mauthausen gezeigt, die aus ganz Europa zusammen getragen oder bei den Bauarbeiten zum Besucherzentrum freigelegt wurden. Weiters werden hier 20 Interviewausschnitte mit KZ-Überlebenden auf Monitoren präsentiert.

Zusammenfassung

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurde in ihren Grundzügen in den Jahren 1947 bis 1949 gestaltet; damit zählt sie zu den ältesten Gedenkstätten ihrer Art. Entwickelt wurde das damals realisierte Konzept von den Verbänden der Opfer des NS-Regimes in Zusammenarbeit mit Behörden und Politik. Wobei es der Staat von Anfang an den Verbänden übertrug, Anregungen für Gestaltung und Weiterentwicklung der Gedenkstätte zu geben, der Staat selbst beschränkte sich grundsätzlich auf die korrekte, ideologisch wie religiös neutrale Verwaltung der Einrichtung.

Auch nach einem halben Jahrhundert kann man die 1947 gewählte Gestaltung des Mahnmals durchaus noch goutieren, wenngleich man heute manche Entscheidung vielleicht anders treffen würde.

Download Die Geschichte der KZ-Gedenkstätte Mauthausen 1945 bis heute

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